Über Motivtion und Einsichten, die man erst in der Retrospektive gewinnt..
Die Filmemacher Laura Geiger & Tom Kretschmer sind 1996 am Ostkreuz angekommen, in einer 37-Quadratmeter-Wohnung direkt am Bahnhof. Zwei Ostberliner, die das (R)ostkreuz jahrelang nur vom eiligen Umsteigen kannten – und es nun als lebendigen Organismus lieben lernen durften.
Die 90er-Jahre in diesem Kiez waren für uns Freiheit pur: wir feierten mit Freunden auf Dächern und im Park, nahmen unseren Müll wieder mit und spürten, wie alles noch irgendwie zusammengehörte. Ganz langsam sahen wir eine Veränderung auf uns und den Kiez zurollen. Aus einem reinen Bauchgefühl heraus begannen wir 2005, den Zustand und den Prozess festzuhalten.
Damals hatte beim Warten noch niemand ein Handy in der Hand. Die Interviews entstanden aus einem Vertrauen, einer Ehrlichkeit und einer Echtheit, die heute kaum noch möglich wären. Karsten, Erna, Pepe und all die anderen waren einfach da – Teil eines stillen, warmen Geflechts aus Nachbarschaft und Alltag.
Heute, beim Betreten des Bahnhofs, spüren wir vor allem Anonymität, Schnelllebigkeit, Effizienz und eine leise Fremdheit. Unser Material aus dem alten Ostkreuz ist längst mehr als ein Film. Es ist ein Zeitdokument, das zeigt, wie anders die Welt vor gerade einmal zwanzig Jahren noch war. Im Re-Arrangement von 2026 – „Ostkreuz – Gesichter eines Bahnhofs“ – wird deutlich: Wir haben nicht nur einen Bahnhof porträtiert, sondern einen Augenblick eingefangen, der im Verschwinden begriffen war. Ein letztes Mal Ruhe, Heimat und echte Begegnung, bevor alles in Kommerz und Entwurzelung überging.
Es ist kein nostalgischer Rückblick. Es ist ein leises, eindringliches Erinnern daran, was wir als Gesellschaft einmal hatten – und was wir vielleicht noch bewahren können. Denn Kultur ist nichts anderes als die Erinnerung der Menschheit an sich selbst.
»Visuelle Experimente wagen und dabei dem analogen Prozess vertrauen, in dem die Natur unergründlich und unberechenbar ist..«
Tom Kretschmer
Jahrgang 1976. Wasser und Staub, Schatten und Licht, Baum und Borkenkäfer. Ich erforsche mit meinen Installationen die natürliche Prozesse mit Licht und vertraue dabei dem analogen Prozess, in dem die Natur unberechenbar ist. In visuellen Experimenten nehme ich ihre Phänomene wahr, interpretiere und arrangiere diese neu – als eine Art poetische Biologie. Um dabei voller Demut zu staunen und staunen zu lassen. Das ist meine Passion.
»Also existiert Geschichte nur, weil Menschen sie erzählen können. Was nicht erzählt wurde, existiert nicht.«
Laura Geiger
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